Hauptsache Literatur: Im Gespräch mit Josef Haslinger

Hauptsache Literatur – unter diesem Motto stand die Veranstaltung,

die am 12. Februar im Rahmen der 100-Jahr-Feier im Otto-Glöckel-Saal

unserer Schule stattfand. Geladen war dazu einer der bedeutendsten

deutschsprachigen Schriftsteller: Josef Haslinger.

 

HAUPTSACHE LITERATUR – EIN LITERARISCHES GESPRÄCH
MIT PROF. DR. JOSEF HASLINGER am 12. FEBRUAR 2020

Moderation: Claudia Schaffer

Obwohl Herr Haslinger aufgrund der brisanten Thematik seines neuesten Buches
„Mein Fall“, das Ende Jänner erschien, sehr viele Termine wahrzunehmen hatte, fand er  Zeit, um an unserer Schule mit uns ein ausführliches Gespräch über Gott und die Welt zu führen.

Er ging pointiert, ausführlich und geistreich auf die Fragen aus ganz unterschiedlichen Bereichen ein und schaffte es von Anfang an, das Publikum, bestehend aus Lehrer*innen, Eltern und Schüler*innen, in seinen Bann zu ziehen.

Er gab Auskunft über seinen Werdegang, verriet, dass er als 10-Jähriger Missionar werden wollte und schon im Gymnasium begann, sich für Literatur zu interessieren.

Er betonte, dass Literatur und Politik für ihn nicht zu trennen seien, was erklärt, wieso er immer auch zivilgesellschaftliche Funktionen bekleidete.

Haslingers Bestseller „Opernball“, der 1995 erschien und von einem Terroranschlag von Neonazis handelt, hat an Aktualität nichts verloren. Daher, so Haslinger, seien Bildungseinrichtungen, allen voran Schulen, unbedingt dazu aufgerufen, politisches Verantwortungsbewusstsein in den Lernenden zu wecken und sie zu kritischem Hinterfragen anzuleiten.

Die Liste der Werke Haslingers ist viel zu lang, als dass man auf alle hätte eingehen können, auch ist er ein besonders vielseitiger Künstler. Daher sei noch erwähnt, dass er sich auch als Filmemacher einen Namen machte. „Nachtasyl – die Heimat der Heimatlosen“ lautet der Titel einer Dokumentation über tschechische und slowakische Emigranten, die in Wien in den 80er Jahren freundliche Aufnahme fanden.

Es folgte ein kurzer Bericht über J.H.s Tätigkeit als Professor für literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, welches er seit 1996 auch leitet. Für die anwesenden SuS war es besonders interessant zu hören, wie die Ausbildung künftiger Schriftsteller*innen   aussieht.

Dann war es soweit: Nachdem ein paar Takte des Songs „Child in Time“ von Deep Purple das Publikum in die richtige Stimmung versetzt hatten, lauschten alle begeistert der sonoren Stimme des Autors, als er die gleichnamige Erzählung zum Besten gab.

Spätestens als gegen Ende der Veranstaltung auch das sehr aufwühlende Thema seines neuesten Buches, das von seinen ganz persönlichen Gewalterfahrungen und von sexuellem Missbrauch in Stift Zwettl handelt, zur Sprache kam, wurde klar, welche Bedeutung Literatur hat: Durch Werke wie „Mein Fall“ ist es der/dem Leserin/Leser möglich, in Bereiche vorzudringen, die ihr/ihm sonst verschlossen blieben.

Der Schriftsteller J.H. entließ sein Publikum aber nicht mit schwarzen Gedanken – er trug zum Abschluss noch einige Strophen seines Rap mit dem Titel „Gutes altes Bud“ vor, der 1992 nach einem längeren U.S.-Aufenthalt entstanden war. Ein weiterer Höhepunkt des Abends!

Noch während J.H. nach der Veranstaltung seine Bücher signierte, wollte so mancher Besucher wissen, ob es nicht bald eine Fortsetzung des Gesprächs geben könnte.

Fotos: GEL