Ein interkulturelles Austausch-Projekt für Tanz und Musik // GRANADA – WIEN
Ein interkulturelles Austauschprojekt für Tanz und Musik im Schuljahr 2024/25
Über Wochen hinweg waren Ideen und Dateien auf elektronischem Weg ausgetauscht worden, Video-Konferenzen abgehalten worden sowie Choreografien und Musikstücke jeweils im Orchester, in der Band oder im Tanztraining geübt worden. Anfang 2025 war es dann so weit, dass zuerst in Wien (19.01. bis 24.01.2025) und anschließend in Granada (09.02. bis 16.02.2025) Schülerinnen und Schüler der Boerhaavegasse und des spanischen Gymnasiums IES Zadidín Vergeles gemeinsam proben und konzertieren konnten – räumlich und organisatorisch unterstützt von der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien(Tanzabteilung) einerseits und dem Conservatorio Reina Sofia aus Granada andererseits.
Grundidee dieses musikalischen Austauschprojektes war, nicht bloß spezifisches Können darzubieten, sondern vielmehr in Interaktion zu treten und Stile und Kunstformen zu verschmelzen. Ballettschüler:innen beider Schulen, der Wiener Bogaphoniker, des Orchesters unserer Schule (unter der Leitung von Alexander Boiadjiev und Peter Manhart) und der Band UNITY, Schüler:innen des Wahlpflichtfachs Instrumentalmusik (unter der Leitung von Stefan Angerer), hatten sich zum Ziel gesetzt, ihr Können aufeinander abzustimmen und gemeinsam musisch zu agieren. Das bedeutete bereits im Vorfeld, eine Reihe von Kompromissen aushandeln zu müssen, in der Auswahl der Stücke aufeinander einzugehen, Arrangements zu erstellen, auszuprobieren und doch wieder zu verwerfen, erneut von vorne anzufangen, sich darüber per Video-Telefonie zu verständigen und darauf zu vertrauen, dass das Imaginierte und theoretisch Vereinbarte sich in der Praxis des tatsächlich Aufeinandertreffens und miteinander Musizierens bewähren würde – und das in einer Zeit, als beispielsweise das Budget noch gar nicht restlos geklärt war.
Momente der Überraschung, des Unerwarteten und damit Spannenden waren zu erwarten. Diese gab es zuerst in Hülle und Fülle das Organisatorische betreffend. Man meint, das Buchen von Flügen und Unterkünften (inklusive Gastfamilien) könne keine große Sache sein, aber wenn beispielsweise die Anzahl der spanischen Austauschschüler:innen mit der der österreichischen nicht übereinstimmt und auch das jeweils vorhandene und anzumietende Equipment bzw. die Saalmieten völlig unterschiedlichen Ausmaßes miteinander und in fairer Aufteilung der jeweiligen Unkosten und Budgetmöglichkeiten gegeneinander abgewogen werden müssen, kann man sich vorstellen, dass dies nicht so leicht von der Hand geht. Dazu handelte es sich nicht um eine Klassenreise – also waren mögliche Reisedaten oder persönliche Erschwernisse wie das Abklären von Allergien ein Extrathema, neben dem Buchen von Extrasitzen (für Instrumente), Extrakoffern (für Notenständer) usw. usf. dann eben auch eine Extraaufgabe. Dazu galt es selbstredend, ein Kulturprogramm für die Gäste zusammenzustellen, das nicht über- oder unterfordern würde (Belvedere, Besuch der Johann-Strauß-Ausstellung, Stephansdom, Schloss Schönbrunn etc.). Das alles neben dem regulären Schulalltag.
Es drängte sich also nicht ohne Grund bei den an diesem Projekt Beteiligten zwischendurch die Frage auf: Ist das Ganze diesen Aufwand wert? Schließlich konnten sich die Schüler:innen nicht erwarten, dafür besonders belohnt zu werden, etwa in Form einer Zeugnisnote, die von einer besonderen Leistung zeugte, und die Lehrer:innen hatten auch keine irgendwie geartete Belohnung in Aussicht.
Die Frage blieb eine rhetorische, sicher auch deswegen, weil sich alle so unbeirrt der Sache verschrieben und gegenseitig antrieben, es darauf ankommen zu lassen. Es war eine große Freude, als Lehrender zu sehen, wie die Schüler:innen einander motivierten – und wie auch Eltern mitfieberten, dass dieses Projekt stattfinden würde. Allein dieser Aspekt des Miteinanders machte das Projekt bereits am Weg zum Ziel unbezahlbar. In seiner sozialen Interaktion sowie im sozialkulturellen Austausch – also in genau den Bereichen, die zwar immer beschworen werden (Stichwort: soziale Kompetenz), aber in Noten und Zahlen in keinen Zeugnissen stehen und nicht messbar sind und deswegen auch gerne als Erstes Kürzungen anheimfallen. Dabei bringen sie genau das zustande, was wir mehr brauchen denn je: abstrakte Ideen in menschliches Zusammenwirken und produktive Kreativität zu transformieren und schließlich – durch das physische Zusammentreffen, durch das gemeinsame Proben und Aushandeln von Kompromissen – Fremde in Vertraute zu verwandeln.
Spanien kennen vermutlich so manche als Urlaubsland, und auch unsere Reise hatte neben der Probentätigkeit und den Konzerten Aspekte, die man einem „Urlaub“ zuordnen könnte, wie beispielsweise den Besuch der Alhambra, der Altstadt mit ihrer vielschichtigen kulturhistorischen Bausubstanz, den Konzertbesuch im Konservatorium und vieles mehr. Diese Aktivitäten gehören dazu, wenn man ein Land und seine Kultur kennenlernen will, und man erfährt sie gleich nochmals anders, wenn an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten die Voraussetzung dieses Kennenlernens ist. Der EU-Wahlspruch „In Vielfalt geeint“ beschreibt diese soziokulturelle Dimension in idealer Weise – ohne Gelder von Erasmus+ wäre das musikalische Austauschprojekt im Übrigen auch nicht auf die Beine zu stellen gewesen –, denn ein aktiver kultureller Austausch ermöglicht Schüler:innen unterschiedlicher Erfahrungswelten nicht nur, ein Land zu entdecken, seine Gebräuche, seine Menschen, deren Art, Freude auszudrücken, Gastfreundschaft zu leben, den Alltag und logistische Problemstellungen zu bewältigen, sondern auch die Erfahrung zu machen, dass andere Menschen – für einen bislang unbekannte Menschen – von der eigenen Leistung direkt abhängig sind und Erfolg nur eine gemeinsame Sache sein kann. Was bringt das virtuoseste Instrumental-Solo, wenn es sich gestalterisch nicht daran hielte, was in Abstimmung mit der Choreografie vereinbart worden war, und es somit auf Kosten der Qualität der Tanzdarbietung ginge? Eine große Chance, Empathie zu lernen, die Herausforderung anzunehmen, nicht durch Konkurrenz befeuert Leistung zu bringen, sondern durch die unabdingbare Notwendigkeit, auf gleicher Augenhöhe agieren zu müssen.
Von diesem Austauschprojekt werden 47 Schüler:innen und vier Lehrende des BRG IIII Boerhaavegasse sowie 32 Schüler:innen und 5 Lehrer:innen des IES Zadidín Vergeles sowie ein begeistertes Publikum noch lange zehren. Sehen Sie anbei Fotos und Videos vom Konzertmitschnitt in Granada.
- Altstadt Granada
- Alhambra
- Alhambra
- Altstadt – Granada
- Konzert
- Konzert
- Konzert
- Konzert
- Konzert
- Konzert
- Konzert
- Konzert
- Konzert
- Konzert
- Konzert
- Konzert
- Konzert
- Konzert
- Konzert
- Konzert
- Konzert
- Tagesausflug am Meer
- Tagesausflug am Meer
- Tagesausflug am Meer
Hier geht es zum Schülerbericht über das Projekt: Granada Schülerbericht
























