THE GREAT LEARNING – die 6C beim Festival Wien Modern im Konzerthaus

„Ich fand es schön, weil es mal was anderes ist und weil einem alle Freiheit der Welt gegeben ist. Auch wenn es nicht ganz geordnet war, hat es Spaß gemacht. Es war körperlich anstrengend, aber darüber kann man hinweg sehen.“

Die Schüler:innen der Klasse 6C haben sich im Herbst dieses Jahres auf ein ganz besonderes Experiment eingelassen: Die Mitwirkung an zwei Aufführungen eines Musikstückes von Cornelius Cardew aus dem Jahr 1968/70.

Clusterklänge –  die eigene Stimme und ihre Atem-Phrasenlängen ausloten – Text in immer neuen Positionen in den Raum singen – dem entstehenden Klang nachlauschen – das gemeinsame Ende erwarten

©Markus Sepperer

„Es war eine sehr meditative Erfahrung, was durch die Gleichwertigkeit jeder Stimme, die Ausdruckslosigkeit und die dadurch entstandenen Möglichkeit, bei sich zu bleiben, verwirklicht wurde.“

In einer gelungenen Zusammenarbeit mit Studierenden der Universität für Musik Wien (mdw), einer besonderen Lehrveranstaltung (Spezielle Methoden des Musikunterrichts, Leitung Christian Martinsich und Hans Schneider) und der IGNM (Internationale Gesellschaft für Neue Musik, Cordula Bösze) wurden die Pfade einer raumgreifenden und zeitintensiven Komposition beschritten.

Das Stück besteht aus 7 Teilen (Paragraphen) und dauert insgesamt ca. 9 Stunden (!).

Die Schüler:innen der 6C haben den 7. Teil mitgestaltet.

„Das Projekt war eine Erfahrung, die nicht jeder in seinem Leben die Möglichkeit hat, zu machen. Die Zeit während des Stückes war ohne jegliche Dimension. Ich konnte über Sachen nachdenken, die Klangwolke genießen, und das Stück einfach wirken lassen, ohne das Gefühl zu haben, die Zeit anders nutzen zu müssen.“

Wer dann am letzten Tag des heurigen Festivals „Wien modern“ (30.11.2025) das Wiener Konzerthaus betrat, fand sich quer durch alle Säle und Räumlichkeiten des Hauses und über den gesamten Tag verteilt direkt in der Aufführung von THE GREAT LEARNING wieder.

Der britische Komponist Cornelius Cardew hat in seinem Werk Texte des Philosophen Konfuzius verarbeitet und ganz bewusst sowohl professionelle Musiker:innen wie Laien angesprochen. In gleichberechtigter Teilhabe an der Aufführung des Stücks wurden diese zum Singen, Sprechen, Musizieren, Trommeln, zum Spielen mit Steinen, Pfeifen und Alltagsgegenstände eingeladen sowie dazu, von ihnen selbst gewählte Gesten, Improvisationen und ungewöhnliche Instrumente einzusetzen.

“The great learning takes root in clarifying the way wherein the intelligence increases through the process of looking straight into one’s own heart and acting on the results; it is rooted in watching with affection the way people grow; it is rooted in coming to rest, being at ease in perfect equity.” Konfuzius

“If music was a purely aesthetic experience, I don’t think it would occupy the central place it does in our affairs. It must make waves in the environment and have repercussions beyond the concert hall.”

Cornelius Cardew in einem Radiointerview anlässlich der Uraufführung von The Great Learning beim Cheltenham Festival 1968

Demokratisierung, Gemeinsames Performen von Laien und Profimusiker:innen, Musik im öffentlichen Raum…. auch 55 Jahre nach der Entstehung des Stückes ist dies aktueller denn je.

@Markus Sepperer©Markus Sepperer

Eine äußerst gelungene Voraufführung des Paragraph 7 fand im Oktober – gemeinsam mit einer Klasse des Theodor Kramer Gymnasiums – im kleinen, feinen und intimen Rahmen der „Fassfabrik“ statt.

©Sofija Palurovic ©Sofija Palurovic