Ein AUSGEZEICHNETES Bild als Schreibimpuls

Das Zukunftsbild von Clara W., der Gewinnerin des Prix Ars Electronica, diente den Schüler*innen der 2C im Schuljahr 2020/21 als Schreibimpuls. Sie hatten die Möglichkeit, entweder zu dem ganzen Bild oder einem Ausschnitt eine Geschichte zu verfassen. Der Kreativität wurden keine Grenzen gesetzt.

 

Ausschnitt aus dem Gewinnerbild von Clara W. beim Prix Ars Electronica u19

Dem Siegerbild in voller Größe ist auf der Schulhomepage ein eigener Bericht gewidmet.

 

Unsere Zukunft

Hallo, ich heiße Lillie, ich bin 12 Jahre alt, wohne in Wien und lebe im Jahr 2222. Ich weiß, es ist eine lustige Jahreszahl, aber wir leben in einem Jahrhundert voller neuer Entdeckungen. Mein Vater ist Erfinder und meine Mutter hat einen Blumenladen. Ja, so etwas gibt es bei uns noch! Mein Onkel hat vor einem Jahr viele tropische Pflanzen entdeckt, die meine Mutter jetzt teuer verkauft. Meine ganze große Familie, von meinen Geschwistern, Mama, Papa, meinem Onkel, meiner Tante, meinen Cousinen und Cousins, Großeltern, Urgroßeltern bis zu mir, wir wohnen alle in ein und demselben großen Haus. Unser Haus ist hübsch und ich mag es. Wir haben einen riesigen Garten, den wir uns mit unseren Nachbarn teilen. Dort sind die verschiedensten Pflanzen, die mein Onkel aus den Tropen mitgebracht hat. Unser Haus hat ein großes Vorzimmer, vier WCs, vier Badezimmer, eine große, helle Küche, ein riesiges Wohnzimmer, ein riesiges Spielezimmer, vier Arbeitszimmer und ein Esszimmer. Was man aber auch nicht vergessen darf, ist der riesige Keller, in dem Papa und Onkel Fritz arbeiten – und natürlich die vielen Schlafzimmer.

Hier will ich euch nun über meinen gestrigen Schultag erzählen:

Ich wurde von dem tiefen Brummen und Vibrieren meines Bettes geweckt. Ich sprang sofort aus den Federn, rannte zu meinem Kleiderschrank, zog mir die Jeans und ein T-Shirt an, lief die drei Treppen hinunter, in den Garten hinaus, sprang auf mein Fahrrad, drückte den roten Knopf und schon ging es in die Höhe. Durch die vielen Gassen müsste ich eigentlich fahren, ich flog jedoch mit der Erfindung meines Papas, der bestimmt schon wach war, quer über die Stadt in die Schule. Die Schule war ein riesiges Gebäude mit verschiedensten Etagen aus Glas. Vor dem Tor begrüßte ich meine Freundin und gemeinsam zischten wir in die Schule. Lisa, so hieß meine Freundin, musste noch schnell Geld wechseln gehen. Ich kaufte mir bei den Lehrern der Pausenaufsicht einen Donut und genoss ihn. Anschließend lief ich auf das WC, drückte einen Knopf und ließ mir von einem Roboterarm die Zähne putzen. Eine Minute später stand ich mit Lisa in einem unserer Lifte. Während wir in den 15. Stock hinaufsausten, sahen wir die Schüler, die gemütlich auf den Rolltreppen saßen, ein Buch lasen oder ihre Hausaufgaben ihren Roboter-Füllfedern diktierten. In der Klasse angekommen, setzten wir uns in unsere Reihe und spielten mit unseren knuffigen, kleinen Roboter-Eichhörnchen. Der Unterricht war wie immer spannend gestaltet und die Klasse war heute wirklich aufmerksam.

Nachdem der Unterricht geendet hatte, stiegen Lisa und ich mit unseren Fahrrädern in die Höhe und sausten so schnell wie der Wind zu mir nach Hause. Nach der Schule kam Lisa immer mit zu mir, weil ihre Eltern bis spät in die Nacht in ihrem Restaurant arbeiteten. Als wir ins Haus spazierten, die Jacke in die Höhe streckten und der Roboterarm sie entgegennahm und auf die Garderobe hängte, gingen wir direkt in mein Arbeitszimmer. Dort machten wir ganz schnell unsere Hausübungen und liefen anschließend ins Spielezimmer. Nach einem lustigen Nachmittag verabschiedete sich Lisa und fuhr nach Hause.

Nach dem Abendessen lag ich dann gemütlich in meinem Bett. Das Fenster war offen und die warme Nachtluft strömte herein. Gleich darauf fielen mir die Augen zu…

F.G.

 

 

Prolog- Medea

Dschungel, egal wo ich hinschaue. Um mich herum stehen meterhohe Pflanzen. Endlich sehe ich den kleinen Weg, der zu meiner Stadt führt. Mit letzter Kraft fange ich noch einmal an zu laufen. Wenn das Tor schon verschlossen ist, habe ich ein riesengroßes Problem. In der Stadt bin ich sicher, hier auf keinen Fall.

Damit meine Gedanken nicht wieder zu Themen zurückwandern, an die ich jetzt nicht denken will, konzentriere ich mich nur auf das Laufen. Rechter Fuß, linker Fuß und das Gleiche wieder von vorne. Als ich an mir herunter schaue, erschrecke ich fast. Meine Kleidung ist schmutzig und an manchen Stellen gehen schon die Nähte auf. Ganz anders als die der Menschen in der Stadt. Aber ich bin ja auch nicht dort.

Als ich schon überlege, wieder in ein langsameres Tempo zu wechseln, sehe ich es endlich. Ein Tor am Rande des Waldes. Es trennt zwei so unterschiedliche Welten voneinander. Hinter dem Tor erheben sich riesige Türme. Auf den Türmen sehe ich die einzelnen Plattformen. Die ganze Stadt sprüht nur so von leuchtenden Farben, wo man auch hinschaut.

Da ich völlig außer Atem bin und meine Muskeln schmerzen, gehe ich langsamer. Ich werde schon rechtzeitig kommen und dann ist alles wieder gut. Ein kurzer Schauer von Euphorie lässt mich lächeln. Ich hätte echt nicht gedacht, dass ich das jemals schaffen werde.

Als ich ein Rascheln zwischen den riesigen Gewächsen höre, schaue ich erschrocken auf. Misstrauisch beäuge ich alles um mich herum ganz genau. Langsam werde ich echt paranoid. Nach einem zweiten prüfenden Blick setze ich meinen Weg fort.

Doch nach nur wenigen Schritten sehe ich einen großen Schatten, der sich mir in den Weg stellt. Ängstlich ziehe ich den Kopf ein und starre mit großen Augen das an, dessen Schatten meine Sicht noch verdunkelt.

 

Kapitel 1- Thalia

Ich liege müde und erschöpft auf meinem Bett und kann wieder einmal nicht einschlafen. Meine Eltern probieren gerade wieder ihre neuen Technologien aus und machen dabei einen Höllenlärm! Ich setze mich widerstrebend auf, um etwas zu trinken und schon ist Bo, der Hausroboter, an meiner Seite. Mit seiner mechanischen Stimme fragt er mich, was ich brauche und bringt mir nur wenige Minuten später ein Glas Wasser. Nachdem ich es unter Bos Aufsicht gänzlich geleert habe, will ich mich wieder in mein Bett legen.

Doch dann ertönt ein lauter Knall und ein Schrei ist zu hören. Ich renne hinunter in unser großes Wohnzimmer und biege dann in Mom und Dads Arbeitszimmer ab. Bo schwebt mir besorgt hinterher und als wir die Türe aufreißen, stockt uns der Atem.

In dem sonst so sauberen Raum ist nichts mehr wiederzuerkennen. Das Panorama- Fenster, mit welchem man die ganze Stadt überblicken kann, ist zersprungen. Die Tische liegen umgekippt auf dem Boden und die Wände sind rußverschmiert.

Doch das wirklich Schockierende sind meine Eltern. Ihre weißen Erfinder-Kittel sind schwarz und ihre Haare stehen wie bei verrückten Professoren wild durcheinander.

Ich erwarte, in entsetzte Gesichter zu blicken, doch sie strahlen mich voller Stolz an. Dad winkt mich zu ihnen und sie meinen: “Thalia, wir sind auf dem Weg, Großes für unsere Stadt zu tun”. Ich schaue auf den einzigen Tisch im Raum, der noch steht, und dann auf den Gegenstand darauf.

Auf der Tischplatte liegt eine von drei Metallstreben gestützte Kugel. Sie breitet ein flimmerndes blaues Licht aus und fesselt einen auf gefährliche Art und Weise. Ich kann kaum meinen Blick von den dünnen in sich verwobenen Metallteilchen wenden. Wie zarte Fäden springen die blauen Funken hin und her, die von einer Glasschicht  im Zaum gehalten werden. Ich weiß, dass ich meinen Blick von dem Gegenstand losreißen muss, damit meine Eltern keinen Verdacht schöpfen, doch sie sind so von ihrer Erfindung geblendet, dass sie meine Blicke nicht registrieren. Meine Gedanken schweifen ab, vielleicht ist das der fehlende Teil. Vielleicht kann ich mit Hilfe dieser Erfindung alles wieder in Ordnung bringen! Ist das wirklich die Lösung auf all unsere Probleme? Ich hoffe es, für mich und für Medea.….

V.S. & E.W.