iFive – ein unwiderstehlich teuflischer Deal

10.000 LIKES SIND NICHT GENUG

(aus dem „Likesong“ von „iFive“)

Am 5. und 6. März 2020 besuchten insgesamt 1600 Personen – die Hälfte davon Schüler*innen des BRG Wien III – eine der vier Vorstellungen der Musical-Erstaufführung von „iFive – ein unwiderstehlich teuflischer Deal“.

Bis es so weit war und die über 100 Mitwirkenden die Ernte ihrer Arbeit einfahren durften, war es ein langer und intensiver Weg, der hier überblicksmäßig nachgezeichnet werden soll.

Schuljahr 2017/18

Im Rahmen einer Pädagogischen Konferenz wurden erste Pläne für die Gestaltung des Jubiläumsjahres 2020 geschmiedet.  Das Anliegen, die Ressourcen der unterschiedlichen Schwerpunkte der Schule zusammenfließen zu lassen, stand dabei an oberster Stelle.

Dass dabei eine der 4 großen Veranstaltungen des „Jubeljahrs“ in Form einer szenisch-musikalischen Produktion stattfinden sollte, galt bald als fix.

Im April 2018 kam es zur Entscheidungsfindung betreffend den Aufführungsort. Das „MuTh – Konzertsaal der Wr. Sängerknaben“ erschien uns als optimale Spielstätte mit umfassender Bühnentechnik und vielfältigen Möglichkeiten. Es fanden Besprechungen mit den Verantwortlichen im MuTh statt, und die beiden Aufführungstage wurden fixiert.

Schuljahr 2018/19

Im September wurde innerhalb einer verantwortlichen Gruppe des Kollegiums der Prozessverlauf festgelegt und ein Kernteam ernannt, das sich im Lauf des Entwicklungsprozesses noch deutlich erweitern sollte.

Für Dezember wurde ein schulinternes Casting organisiert, welches allen Schüler*innen der 3. bis 7. Klassen offenstand. Dafür waren 2 Lieder vorzubereiten, die dann – nach Proben mit den Korrepetitor*innen Prof. Alexander Boiadjiev, Prof. Ulrich Permanschlager und Prof.in Marlene Umlauft – vor einer aus Lehrenden der Schule bestehenden Jury präsentiert wurden. Diese wählte schließlich aus den 40 Kandidat*innen 20 aus, die eingeladen wurden, Teil des „Casts“ zu werden.

Im Lauf des ersten Semesters entstand, angeleitet von Profin. Barbara Slechta (Wahlpflichtfach Deutsch) und Prof. Alfred Woda (Darstellendes Spiel), auch das Sujet der Handlung. Die „Faust“-Thematik erschien als treffliche Spielwiese für Ideen und eine Transferierung in die schulische Alltagswelt heutiger Jugendlicher. Während des Entwicklungsprozesses wurde dann aus dem Arbeitstitel „Faust reloaded“ das Stück „iFive – ein unwiderstehlich teuflischer Deal“. Alle Dialoge und fast sämtliche Songtexte entstanden im Rahmen des Unterrichts.

Weitere Lehrpersonen im Kernteam waren die Professor*innen Ulrich Permanschlager (Editieren der Noten, Orchesterbesetzung und -proben), Lisa Stumbauer (Kostüme, Corporate Design), Heimo Fladl (Bühnenbild) und Christoph Wigelbeyer (Choreinstudierung und musikalische Gesamtleitung).

Im Frühjahr 2019 wurde die Entscheidung getroffen, den Kompositionsauftrag an den niederösterreichischen Musikpädagogen, Chorleiter und Komponisten Günther Mohaupt zu vergeben. Dieser schien uns als jugendaffiner und musicalerprobter Profi ausgezeichnet für diese Aufgabe geeignet. Im Lauf des Sommers entstanden im Austausch mit dem musikalischen und dramaturgischen Team 15 Musiknummern, die den Sängerinnen und Sängern quasi auf den Leib geschrieben wurden.

Schuljahr 2019/20

Im September wurde das Team um Prof. Thomas Grubhofer, der sich ab nun um die Organisation und Kommunikation mit dem MuTh kümmern sollte, erweitert. Es wurden für den weiteren Ablauf maßgebliche Entscheidungen getroffen, die Bereiche wie Ticketing, Public Relations oder Sponsoring betrafen. Als finanzielle Unterstützer konnten der Elternverein am Gymnasium Boerhaavegasse, die Bezirksvorstehung Wien Landstraße und Raiffeisen Capital Management gewonnen werden.

Im Oktober war es schließlich so weit: die musikalischen und szenischen Proben konnten beginnen, Bühnenbild und Kostüme wurden entworfen und realisiert, die für die Inszenierung nötigen Videos gedreht. Und so füllte sich das Schulhaus Woche für Woche mehr und mehr mit dem Spirit von „iFive“.

Im Februar begann dann die „heiße Phase“. Cast und Orchester fuhren für vier Tage nach Raach am Hochgebirge, um sich intensiv und (fast) ausschließlich dem Probenprozess zu widmen und in professioneller Art und Weise in die künstlerische Arbeit einzutauchen.

Die gesamte Schulgemeinschaft wurde nun auf „iFive“ eingeschworen, die Besuche der Schülervorstellungen organisiert, die Werbetrommel gerührt und das Kartenbüro um weitere Kolleginnen erweitert.

Bei den Endproben von 27. Februar bis 1. März im Gymnastiksaal der Schule waren dann alle über 100 Mitwirkenden erstmals gemeinsam in Aktion. Solisten, Ensemble, Tanzgruppe, Chor und Orchester bereiteten sich angeleitet vom künstlerischen Team auf den „Tag X“ vor und wuchsen spätestens nun zu einer großen Musical-Gemeinschaft zusammen. Spätestens in diesen Tagen wurde allen bewusst: die monatelange Arbeit wird sich letzten Endes gelohnt haben.

Schließlich war es so weit, und die „BoGa“ eroberte in der ersten Märzwoche das MuTh für vier Tage. Das technische Team vor Ort tat das Seinige dazu, dass sich die Beteiligten als echte Profis zu fühlen begannen. Zahlreiche Lehrer*innen stellten sich in den Dienst der Sache und meldeten sich zur Backstage-Betreuung oder für andere Aufgaben vor Ort.

Als sich dann am 5. März im ausverkauften Haus der Vorhang zur Premiere von „iFive“ hob, war die Spannung kaum zu überbieten. Und 90 aufregende Minuten später kannte der Jubel fast keine Grenzen – ebenso nach den drei Vorstellungen tags darauf.

Dass in der Woche darauf der durch Covid-19 bedingte „Lockdown“ das ganze Land lahm zu legen begann und damit auch sämtliche kulturellen Veranstaltungen für Monate ausfallen sollten, sei als Randnotiz erwähnt. Das sprichwörtliche „Glück der Tüchtigen“ hatten wir das Timing betreffend jedenfalls auf unserer Seite.

(Christoph Wigelbeyer, Mai 2020)

Fotos: Sascha Osaka